Widerruf eines Kredits

In Niedrigzinsphasen ist es nicht nur sinnvoll, ein geplantes Darlehen aufzunehmen, sondern dass ebenso bestehende Kredite überprüft werden. So gelangt man bei einer derartigen Überprüfung laufender Darlehensverträge dann meistens zu der Erkenntnis, dass eigentlich derzeit viel weniger Zinsen gezahlt werden müssten. Und gerade an diesem Punkt wird sich dann immer gefragt: Fange ich an meine Darlehensvertrag einfach umzuschulden oder mache ich meinen Kreditvertrag rückgängig? Aus der eventuellen Antwort einer derartigen Frage kommen jedoch zugleich noch andere Fragen auf:

  • Kann ich grundsätzlich aus einem Kreditvertrag herauskommen?
  • Ist es richtig, dass es ebenso bei Darlehensverträgen ein Widerruf möglich ist?
  • Ist eine vorzeitige Beendigung eines Kreditvertrags durchführbar?

Nachfolgend möchten wir zu diesen Fragestellungen einige Antworten geben und in einem derartigen Fall auf die Rechtslage hinweisen.

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Grundlegendes zum Widerruf eines Darlehens

Bei sämtlichen Geschäften sollte man sich im Klaren sein, dass Vertragsabschlüsse keinesfalls unüberlegt zu erfolgen haben. Im Vertragsrecht gilt normalerweise der „pacta sunt servanda“-Grundsatz, der bedeutet, dass Verträge für beide Vertragspartner verbindlich sind. Für Kunden gibt es jedoch eine Ausnahme, denn diesen räumt man prinizipiell ein Widerrufsrecht ein. Das zählt demnach ebenso für Darlehensverträge, wenn es sich beim Darlehensnehmer um einen Verbraucher handelt. Darlehensverträge werden ebenfalls Verbraucherkreditverträge genannt. Bei Verbraucherkreditverträgen, zu denen ebenfalls die Online Kredite zählen, räumt man den Darlehensnehmer dieses Widerrufsrecht ein. Aufgrund dessen ist es möglich sich innerhalb einer gewissen Frist, nachdem der Vertrag abgeschlossen wurde, mit Hilfe einer Widerrufserklärung demnach von dem Vertrag zurückzuziehen. Das bedeutet im Klartext, dass ein schon abgeschlossener, d. h. verbindlich unterzeichneter Vertrag bis zum Ende der Widerrufsfrist lediglich schwebend wirksam ist.

Es gibt allerdings manche Sonderfälle, in denen das Kündigungsrecht für Verbraucherkredite keinesfalls greift:

  • Klein- bzw. Minidarlehen mit einem Nettokreditbetrag von höchstens 200 Euro
  • Darlehen gegen Pfand
  • Kurze Darlehen mit einer Kreditdauer bis zu maximal drei Monaten
  • Vergünstigte Darlehen vom Chef bzw. vom Unternehmen
  • Förderkredite zu vergünstigten Bedingungen

Der Widerruf ist dem Darlehensnehmer für einen Frist von zwei Wochen möglich, nachdem die Abgabe seiner Willenserklärung erfolgt ist. Das Widerrufen des Darlehens muss in schriftlicher Form an den Kreditgeber stattfinden, braucht jedoch keine Begründung zu enthalten. Zieht der Darlehensnehmer einen Widerruf des Kredits in Erwägung, muss auf jeden Fall die zweiwöchige Ausschlussfrist beachtet werden. Wenn sie ungenutzt verstreicht, hat der Darlehensnehmer den Vertrag zu erfüllen. Es wird daher immer empfohlen, das frühzeitige Widerrufen, sowie dessen Kenntnisnahme durch den Geldgeber schriftlich festzuhalten. Dies kann dadurch erreicht werden, dass der Darlehensnehmer den Widerruf per Einschreiben über den Postweg dem Kreditgeber zukommen lässt. Der betreffende Zustellungsvermerk des Postangestellten bezeugt nachfolgend den zeitgemäßen Zugang beim Adressaten.

Kreditgeber hat der Belehrungspflicht nachzukommen

Die Widerrufsfrist von zwei Wochen tritt in Kraft, wenn der Darlehensnehmer über die Möglichkeit zu widerrufen bei Abschluss des Vertrages durch eine klare ausführliche Belehrung in schriftlicher Form informiert worden ist. Dieses Schreiben hat nicht nur eine umfassende Belehrung über die Details des Fristenlaufs und des Widerrufsrechts zu enthalten, sondern ebenso Namen und Adresse von demjenigen anzugeben, dem das Widerrufsrecht zu erläutern ist.

Folgen bei nicht erfüllter Belehrungspflicht

Unter gewissen Voraussetzungen kann die Widerrufsfrist ebenfalls verlängert werden. Das ist einerseits gegeben, wenn die Widerrufsbelehrung lediglich nach Abschluss des Vertrages erfolgt. Danach beläuft sich die Frist zum Widerrufen auf einen Monat. Wird – wie bei einem Darlehensvertrags – der Vertrag in schriftlicher Form abgeschlossen, fängt die Widerrufsfrist erst an, wenn dem Darlehensnehmer seinen schriftlichen Darlehensantrag oder eine Vertragsurkunde oder eine Kopie von einem dieser Unterlagen ausgehändigt worden ist. Wurden diese Kreditunterlagen nicht vorgelegt, erlischt die Möglichkeit zum Widerrufen jedoch spätestens sechs Monate, nachdem der Vertrag abgeschlossen wurde. Indessen ist hier ebenfalls wiederum eine Ausnahme zu machen, wenn beim Darlehensnehmer nicht oder nicht ausführlich eine Belehrung des Widerrufrechts erfolgt ist. In dieser Situation wird dem Darlehensnehmer ein unbefristetes Widerrufsrecht eingeräumt.

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