Der Kreditvertrag

Das Zustandekommen eines Kredites setzt einen gültigen Kreditvertrag voraus. Im Sinne der Vertragsfreiheit kann dieser in Österreich mündlich oder schriftlich abgeschlossen werden. Auch konkrete gesetzliche Vorgaben für einen Kreditvertrag gibt es nicht.
Als Absicherung für beide Vertragspartner – Kreditgeber und Kreditnehmer – ist es aber unbedingt empfehlenswert, einen schriftlichen Vertrag mit festgelegten Finanzierungsdetails abzufassen.

Was ist ein Kreditvertrag?

Der Kreditvertrag ist eine Urkunde, in der Kreditnehmer und Kreditgeber übereinkommen, zu gewissen, hier festgelegten Bedingungen Geld zu leihen bzw. zu verleihen. Er stellt somit die Rechtsgrundlage für das vereinbarte Kreditgeschäft dar und ist eine übereinstimmende Willenserklärung.
Der Kreditvertrag zwischen Kreditinstitut und Verbraucher muss aufgrund des Verbraucherschutzgesetzes zwingend schriftlich abgeschlossen werden.

Welche Bestandteile hat ein Kreditvertrag?

Kreditart:
Es kann sich um ein Darlehen, einen Abstattungskredit, einen Kontokorrentkredit – also um einen Geldkredit handeln, aber ebenso um einen Haftungskredit oder auch Avalkredit genannt.
Das Darlehen und der Abstattungskredit sind, einmal ausgenützt, nur mehr rückführbar, während der Kontokorrentkredit in seiner Höhe revolvierend, auch nach Rückzahlungen wieder ausnützbar ist.
Haftungskredite sind keine Geldkredite und stellen nur einen Eventualkredit dar.
Die Kreditart entscheidet über Verwendungszweck und Verfügbarkeit.
Je nach Kreditart werden von den Kreditinstituten Kontonummernkreise vergeben. Die dazugehörige Kontonummer ist am Kreditvertrag ersichtlich.

Vertragspartner:
Kreditgeber und Kreditnehmer samt Anschrift sind anzuführen. Bei Unternehmen ist auf die korrekte Bezeichnung des Firmenwortlautes laut Firmenbuchauszug zu achten.

Kreditbetrag:
Der Gesamtbetrag stellt den rückzuführenden Betrag dar. Davon die einbehaltenen Bearbeitungsgebühren und für den Kredit angefallene Kosten abgezogen, ergeben den Gesamtkreditbetrag, also den auszubezahlenden Betrag.

Währung:
Die Währung des Kreditbetrages ist anzuführen. Es ist auch möglich, Geld in anderen Währungen zu leihen. Sogenannte Fremdwährungskredite bergen allerdings große Kursschwankungsrisiken. Der Fremdwährungskreditvertrag nimmt auf diese Besonderheiten Bezug und regelt unter anderem auch Konvertierungsszenarien.

Zweck und Inanpruchnahme:
Welcher Widmung der Kreditbetrag zugeführt wird, und in welcher Form dieser beansprucht werden kann, wird vereinbart.

Laufzeit und Rückzahlung:
Unter Laufzeit ist die Zeitspanne bis zur Fälligkeit gemeint.
Die Laufzeit orientiert sich an der Kreditart und dem Verwendungszweck. Private Wohnbaukredite oder betriebliche Investitionskredite sind in der Regel langfristig zu sehen. Konsumkredite, etwa für Wohnungseinrichtungen oder Autokauf, sind in der Regel kurz- bis mittelfrtistig, das heißt in 1-6 Jahren fällig.
Der finanzielle Spielraum am Girokonto ist entweder als 3 monatiger Überbrückungsrahmen oder ohne Laufzeitbegrenzung „bis auf weiteres“ als dauerhaft eingeräumter Kontorahmen gedacht, und kann nur mittels Kündigung beendet werden.
Ein Kredit kann endfällig gestellt sein. Das bedeutet, es wird keine Ratenzahlung geben, der gesamte Betrag ist am Ende einer festgelegten Zeitspanne auf einmal zu begleichen. Die Zahlung der Abschlussposten und Zinsen kann aber sehr wohl zu den Abschlussterminen verlangt werden.
Sollte man sich auf eine Ratenzahlung geeinigt haben, werden hier die Anzahl der Raten, die Ratenhöhe und die Ratenfälligkeitstermine genau definiert. Selbst Sondertilgungen können hier verbindlich ausgemacht werden.
Den Abbuchungsauftrag für die fälligen Raten oder Abschlussposten von einem Girokonto lässt sich problemlos einarbeiten.

Zinsen und Entgelte:
Der vereinbarte Zinssatz wird festgehalten. Es kann ein fixer Zinssatz für die gesamte Laufzeit sein oder man entscheidet sich für eine gewisse Fixzinsperiode mit anschließender variablen Verzinsung.
Variable Zinsen orientieren sich meist am EURIBOR oder LIBOR mit einem marktkonformen Aufschlag. Der Zinssatz passt sich daher laufend an die aktuellen Kapitalmarktzinsen an.
Die Zinssatzvereinbarung mit der genauen Anpassungsklausel wird angedruckt.
Auch Verzinsungsart und Abschlussperiode sind unter diesem Punkt zu finden.
Neben dem Nominalzinssatz muss einem Verbraucher verpflichtend auch der Effektivzinssatz berechnet werden. Dieser Zinssatz ergibt sich nach Einrechnung aller Kosten und Gebühren.
Die transparente Darstellung der Gesamtkosten ist somit sichergestellt.
Kontoführungsgebühren, Rahmenprovisionen, einmalige Bearbeitungsgebühren, möglicherweise anfallende Mahnspesen und alle Arten von Kosten scheinen am Kreditvertrag oder auf einem separaten Preisblatt auf, das dem Vertrag beigelegt wird.

Verzugs- und Überziehungszinsen:
Kommt der Kreditnehmer mit seiner Ratenzahlung in Verzug oder wird der vereinbarte Kreditrahmen überschritten, darf der Kreditgeber dem Konto Verzugs- oder Überziehungszinsen anlasten, sofern vereinbart. Die Höhe des Prozentsatzes wird festgelegt. Lediglich für Verbraucher gibt es bei Verzugs- und Überziehungszinsen eine Obergrenze.

Abgaben und Barauslagen:
Kosten von Dritten können beispielsweise für Unterschriftsbeglaubigungen beim Notar, Grundbuchseintragungen, oder Einholen von Gutachten anfallen und werden ebenso im Kreditvertrag angeführt.

Sicherheiten:
Unter diesem Punkt werden alle bereitgestellten Sicherheiten für diesen Kredit angeführt. Mit Bürgschaften, Verpfändungen von beweglichen Gütern wie Wertgegenständen, Verpfändungen von Geldeinlagen aller Art, Verpfändungen von unbeweglichen Gütern wie Immobilien, sprich hypothekarische Sicherstellungen, Eigentumsvorbehaltsabtretungen von Fahrzeugen oder Maschinen seien nur einige gängige Beispiele von Kreditbesicherungen aufgezählt.
Um das Ablebensrisiko abzusichern, werden oft Kreditrestschuldversicherungen oder die Verpfändung von Ablebensversicherungen verlangt.
Art und Umfang der verlangten Sicherheit hängen von der Bonität des Kreditnehmers ab und nehmen natürlich Einfluss auf die Konditionenverhandlungen.
Mehr Sicherheiten verringern die Risikokosten einer Bank. Im Gegenzug winken für den Kreditnehmer attraktive Konditionen.

Sonstiges:
Im Kreditvertrag sind eine Reihe weiterer Punkte vereinbart.
Konsumentschutzinformationen für Ehegatten im Falle einer Trennung und Datenschutzerklärungen werden mit Unterschriftsleistung am Kreditvertrag vom Kreditnehmer ausdrücklich zur Kenntnis genommen.
Rücktrittsrecht vom Kreditvertrag, Kündigungsrechte – neben den gesetzlichen Möglichkeiten gibt es auch vertragliche Kündigungsrechte, Offenbarungspflicht der Vermögensverhältnisse und Mitteilungspflichten sind einige Beispiele. In den beigefügten Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Kreditinstitute sind viele dieser Kreditvertragsgrundlagen nachzulesen.

Ort und Datum der Unterschrift:
Besiegelt wird schlussendlich der Vertrag mit Ort, Datum und Unterschrift der Vertragsparteien.
Die Unterschriften des Kreditnehmers werden von den Banken auf Ihre Richtigkeit geprüft. Firmenbuchauszüge geben Aufschluss, welche Person für ein Unternehmen zeichnungsberechtigt ist.
Unterschriften auf Pfandurkunden für grundbücherliche Eintragungen müssen gar notariell beglaubigt gefertigt werden.

Vor Ausfertigung eines Vertrages sind Kreditgeber Verbrauchern gegenüber gemäß Verbraucherschutzgesetz verpflichtet, eine vorvertragliche Information auszugeben. Es handelt sich dabei um ein EU-standardisiertes Formular, das Kreditangebote verschiedener Banken, sogar auf internationaler Ebene, vergleichbar macht. Zusätzlich ist der Kreditvertragsentwurf auszuhändigen.

Kreditverträge können auch privat abgeschlossen werden. Der Kreditgeber verleiht das Geld ohne Gewerbe. Besonders dann ist auf eine möglichst detaillierte Vertragserstellung zu achten, um beide Vertragsparteien zu schützen und die Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen der einzelnen Geschäftspartner sicherzustellen.

Hinterlasse einen Kommentar

  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei